Ajmer

Heute morgen wurden wir im Rahmen einer Assembly noch einmal ganz offiziell begrüßt, konnten unser Gastgeschenk, ein Fernsehturm-Modell, überreichen und uns bedanken. Einer Tour über der Campus folgten das Mittagessen und eine Sporteinheit, die aus der typisch indischen Sportart Satoliya und der typisch unindischen Sportart Softball bestand. Nach dem Sport gab es noch eine Stunde Unterricht und dann wurden die Schüler in die Familien und wir ins Guesthouse des Mayo-College verabschiedet.

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Der Freitag Vormittag stand wieder unter dem Zeichen des Sports. Nach dem Warmlaufen gab es zunächst eine halbe Stunde Fußball, dann eine kurze Einheit Sprint mit beidbeinigem Hüpfen und zuletzt Karate und Yoga. Zu Letzterem mussten wir uns anhören, wir seien total steif. Mittagessen wurde wieder an der Schule serviert. Das Nachmittagsprogramm bestand aus einer Bergwanderung auf den Hügel direkt hinter der Schule. Was von unten relativ easy aussah, entpuppte sich unterwegs als anstrengende Tour mit kleineren aber ungefährlichen Kletterpassagen und fantastischer Aussicht über Ajmer mit seinem See. Ziel war eine kleine Moschee, von der ein für hiesige Verhältnisse gut befestigter Weg wieder nach unten führte.

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Am Samstag besuchten wir das Städtchen Pushkar, das eine halbe Stunde außerhalb Ajmers liegt und wegen des einzigen Brahma-Tempel Indiens und seines im Herbst stattfindenden Kamelmarkts berühmt ist. Da sich auch sonst relativ viele Touristen und Hippies dort aufhalten, kann man außerdem besser shoppen als in Ajmer. Wir starteten mit dem Tempel und einer Kameltour mit Wagen und direkt in das schon fast wüstenartige Gebiet vor der Stadt, nach dem Mittagessen wurde geshoppt, was das Zeug hält und am Ende haben wir uns am Sunset-Point am heiligen See von Pushkar versammelt und die meditative Stimmung in uns aufgesaugt (manche mehr, manche weniger).

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Am Sonntag ging es zunächst nach Tilonia ins Barefoot College, das ist eine Einrichtung, in der zumeist illiterate Frauen darin geschult werden, Solaranlagen zu löten oder Regenwasser zu sammeln. Warum Frauen? Weil einerseits die Männer mit Tee trinken und rauchen völlig ausgelastet sind und andererseits die Frauen was Eigenes haben sollen, damit die Männer auch mal auf deren Kenntnisse angewiesen sind. Nachmittags haben wir dann noch das Fort in Kishangarh und eine Marmorfabrik besucht, die laut Guinness-Buch die größte der Welt sei. Die Anlage macht jedenfalls mit Poliermaschinen aus Carrara und Yamaha-Golfwagen für die Werksbesichtigung einen fast europäischen Eindruck. Leider hat für die letzte Station, eine Weberei, in der wir beim letzten Mal als Kontrastprogramm zum Marmor dann wieder echt indische Verhältnisse antrafen, die Zeit nicht mehr gereicht.

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Heute war dann der große Tag, an dem sich unsere Gruppe mit einem Tanz und unserer Rockband der Mayoor-Schulgemeinde vorstellte. Ich bin mir sicher, dass das Austauschprogramm mit diesem kulturellen Höhepunkt von indischer Seite auf Jahre hin eine riesige Nachfrage erfahren wird. Danach wurden wir durch das altehrwürdige Mayo-College geführt und der Nachmittag war frei für Unternehmungen oder Newsletters. 

Der Höhepunkt der Tages war aber, dass unsere Gruppe mit auf eine indische Hochzeit durfte. Natürlich kamen die meisten von uns Dank der indischen Austauschpartner in original indischer Kleidung und haben den Abend so "wie echte Inder" genießen können. Das war eine interessante Erfahrung, kamen die "Mädels" doch alle traditionell im Sari. Dieser bedeckt zwar die Schultern, darunter trägt man dann jedoch eigentlich eine bauchfreie Bluse... Allerdings waren die Inder nicht zu streng mit uns und wir durften unsere Pullover anbehalten und waren außerdem mit Pullis, Tüchern usw. bewaffnet, damit niemandem zu kalt wurde. Es war interessant zu sehen, wie ungewohnt diese Art von Kleidung für uns ist und dass es Übung erfordert, sich darin selbstbewusst bewegen zu können. Natürlich meisterten wir alle diese Herausforderung. Für die anderen Gäste waren wir der Hingucker schlechthin! Nur haben wir dem Brautpaar irgendwie die Show gestohlen (für deutsche Verhältnisse), weil alle ständig uns angeschaut haben, mit uns über unsere Sari-Erfahrungen sprechen und sogar Fotos mit uns machen wollten.

Allerdings findet bei einer indischen Hochzeit die Trauung nicht unbedingt immer Beisein aller Gäste statt, weil man hier ganz streng nach dem Horoskop entscheidet, wann der perfekte Zeitpunkt für die Eheschließung ist, damit es eine glückliche Ehe wird. Wir kamen also bei der Hochzeit an, nachdem das Brautpaar diesen "offiziellen" Teil schon hinter sich hatte und es waren schon viele Gäste da, es gab ein riesiges Buffet (ca. 50 Meter lang) und da stand man dann also herum, aß und trank sich satt und ließ die Hochzeitsatmosphäre auf sich wirken. Das Brautpaar saß den ganzen Abend auf einer Bühne, wo man sich anstellen musste, um auch ein Foto mit den "Hauptpersonen" machen zu dürfen. Diese Hochzeit war eine ganz neue Erfahrung für uns und wir sind froh, dass wir sie miterleben durften.

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Vom gestrigen traditionellen Principal's Dinner gibt es zu berichten, dass es einmal mehr aus einem lustigen Teil mit Tanz, Musik und Spielen bestand, wobei die nach Übersee abgehauene Bonnie dieses Mal gesanglich nicht von mir beklagt wurde, sondern die werte Kollegin das Mikro in die Hand bekam und mit der verstimmten Gitarre des indischen Musiklehrers zurecht kommen musste. Auch dieses Mal wurde gefilmt und mit etwas Glück finden Sie dieses Paradestück deutsch-indischen Musizierens bereits irgendwo in den Weiten des weltweiten Netzes zum Herunterladen als Handyton. Außerdem wurde noch getanzt, Menschen mit Popcorngirlanden geschmückt und darum gewürfelt, in siebzehn Lagen Zeitungspapier eingewickelte Schokolade mit Messer und Gabel essen zu dürfen. Nach dem lustigen Teil wurde wie immer gegessen und dann heimgegangen.

Noch kurz zu den beiden anderen Tagen: Am Dienstag waren wir im Kunstunterricht zum Färben von Tüchern und Tonen komischer Geschöpfe mit einem Körper aus zwei bereits fertigen Aschenbechern. Abends wurde an der Schule eine kleine Party für alle Schüler gegeben, bei der auch der mühevoll einstudierte Tanz noch einmal zur Anwendung kam. Am Mittwoch gab es noch einmal Sport, wo wir die populärste indische Sportart, Cricket, zumindest mal antesten konnten, den Abend verbrachten die Schüler bei den Familien und die Lehrer mit einer Fahrradtour durch den ruhigen Verkehr der beschaulichen Innenstadt. Überraschenderweise wurde dabei das Kollegium des FEG nicht dezimiert.

Unser letzter voller Tag begann mit einem Besuch einer anglikanischen Messe (Ajmer hat mehrere Kirchen aller möglichen christlichen Konfessionen), wobei unsere Gruppe die Besucherzahl etwa verdoppelte. Genau wie in unseren Kirchen war es kalt, aber hierzulande gibt es immerhin Masala-Chai nach der Messe. Der weitere Tag wurde von Vielen für letzte Besorgungen genutzt bevor wir heute Abend im Rahmen einer Einladung bei Familie Gupta verabschiedet werden. Morgen passiert nichts mehr außer packen und der Abfahrt nach Delhi um 15:40 Uhr im Shadabti-Express, dem ICE Indiens, und, je nach Verspätung, mehr oder weniger Wartezeit auf den Rückflug um 6:45 Uhr.

Deutschland

Friedrich-Eugens-Gymnasium
Stuttgart

 

Indien

Mayoor School Ajmer

 


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